What’s up Doc?
09/14/2009
Oh es ist alles so anstrengend. So viel zu tun während ich mich lieber rumtreibe. Der Lagebereicht:
Wie aus vorangehenden Postings ersichtlich war ich dieses Wochenende beim Hannes in Berkeley/San Francisco. Die Reise gestalltete sich mit diversen Verspätungen in beide Richtungen aufwendiger als geplant, so dass ich hin dreizehn und her zwölf Stunden brauchte (ohne außerplanmäßige Verzögerungen sind es etwa acht). Am Freitag war mein Flugzeug von Chicago nach San Francisco kaputt, so dass es komplett ausgetauscht werden musste, am Sonntag war das von San Francisco nach Chicago einfach nur zu spät, so dass ich meinen Anschlussflug nach Champaign verpasste. Starker Westwind verhinderte das Benutzen mehrerer Bahnen des SFO. American Airlines hat mich dann also für meinen Anschluss umgebucht, das war alles sehr aufregend. Der Chicago-Champaign-Flug macht aber wegen seiner Kürze spaß. Rückwegs hat es 28 Minuten gedauert. Von meiner Wohnung mit dem Bus zum Airport dauert fast doppelt so lang.
Die Reise war also nur so mittel, der Aufenthalt natürlich super. Am Freitag waren wir in San Francisco und shoppten und sightseeten durch das Castro. Alles ist Hügel und auf und ab: Ich habe sehr wenige Fotos gemacht, auf denen das volle Ausmaß der Hügeligkeit leider nicht ganz zum Ausdruck kommt. Und überall diese netten Häuser und überhaupt. Das Castro – für die Uninformiertern – ist seit den 70ern San Franciscos Inviertel. Hier wurde 1977 Harvey Milk als erster schwuler Politiker in den vereinigen Staaten in ein Amt gewählt und zehn Monate später von einem Stadtratskollegen erschossen. Wegen zeitlicher Knäppe steht ein Besuch des Russian Hill noch aus (888! Hier wohnt Frederick Larrabee). Am Samstag waren wir in Berkeley selbst. Ich hatte erwartet, dass es als Studentenstadt einer University of X mit ähnlicher Einwohnerzahl einige Gemeinsamkeiten mit Champaign aufweisen würde, tut es aber nicht. Der nahtlose Übergang zu San Francisco beschert einen Großstadtcharakter und meinerseits einigen Neid, der sicherlich im Winter nicht kleiner werden wird, wenn die Temperaturen hüben gen minus 20 sinken und drüben bei plus 15 bleiben. Oh und kinoabendlicherweise habe ich endlich wunschgemäß District 9 gesehen. Nach zwei Ausflugswochenenden hat sich nun einiges unerledigtes angestaut. Beim Reisen war ich fleißig mit dem Korrigieren von Klausuren beschäfftigt, aber leider komme ich wegen GER 101 weiterhin kaum dazu mich um die Kurse zu kümmern, die ich selbst besuche. Auch einiges organisatorisches steht nocht aus, aber heute habe ich mit einem Besuch des McKinley Health Center eine weitere Bedingung für mein Hierbleibendürfen erfüllt. Herkunftsbedingt wurde mir das Tuberkulosescreenig erlassen (man ist ja nicht aus Osteuropa (meine liebe österreichische Kollegin scheinbar schon…)), aber ich musste die Kombiimpfung Masern-Mups-Röteln machen, weil mir eines der drei fehlte, sowie Tetanus auffrischen, was alle zehn Jahre nötig ist und bei mir genau 121 Monate her. Danach sollte ich mich noch für fünfzehn Minuten innerhalb der Klinik aufhalten, da eine der dokumentierten Nebenwirkungen der Tetanusimpfung Tod ist. Ich glaube, organisierungsweise fehlt mir jetzt nur noch die social security number. Am Mittwoch sollte ich theoretisch meinen ersten Paycheck bekommen, vielleicht bin ich dann motiviert mich darum zu kümmern. Jetzt drei Wochen fleißig sein, dann Hannes Gegenbesuch. Ich bin seit 33 Tagen in den Staaten, damit ist bereits 1/4 der Zeit bis zu den Weihnachtsferien vorbei: das ging fix.
Twitter Blog
09/10/2009
Ich missbrauche meinen Blog fuer kurze und gaenzlich uninteressante Reissstatus updates. Ich benuze keine Umlaute und schreibe also ueber das Flughafen WiFi per iPod. Der Flughafen ist natuerlich super winzig und erinnert an Hahn. Nur gemuetlicher ist es denn ich habe Kaffee und kann fernsehen. Nur mit dem nachinterrichtlichen geschlender wurde es nichts, weil ich meinen Pass daheim und meine Tasche im foreign language building vergessen habe und deshalb noch sehr viel rumfahren musste. Meinen Bus zum airport habe ich dann verpasst bzw. musste hinter ihm herlaufen bis ich ihn an einer roten Ampel eingeholt hab… Aber jetzt bin ich wieder im Plan und hoffe sass man mich nun ins zeug laesst
Meh, meh, meh!
09/09/2009
Ich bin maulig! Diese Woche war doof und nervig. Montag musste ich ewig viel korrigieren und nachholen weil ich am Wochenende wegen des Ausflugs nichts gemacht habe und es war sehr langweilig. Zudem war hier auch Feiertag (Labor Day) und Feiertage hasse ich ja sowieso. Additional lauter anstrengende Sonderdinge: Dienstag haben meine Kinder einen Test geschrieben, den ich korrigieren musste, dann war der sogenannte “Roleplay Day” an dem Rollenspiele eingeübt werden, die am Ende des Semester in der mündlichen Prüfung drankommen und morgen wird eine Klausur geschrieben, auf die ich die Gören heute vorbereiten musste. Das wäre alles nicht so schlimm wenn ich nicht diese Woche auch ein Essay sowie ein Paper Proposal hätte abgeben müssen. Und darüberhinaus stand ich Dienstag und heute um 6:30 auf, weil ich im Auftrage meines “Deutsch als Fremdsprache” Kurses andere Lehrer beobachten muss und einen Observationsbericht schreiben, und der mir zugewiesene Observierungskurs war von 8-9. Dann hatte ich heute noch ein Meeting um 3 und eines um 5 und natürlich auch noch normal meine Philosophiekurse. Eine blöde Kackwoche wegen der ich mir mein rundum perfektes Leben in Göttingen zurückwünsche. Zum Glück ist sie aber jetzt vorbei, denn wenn ich morgen aufstehe, werde ich in die Uni fahren (erst um 9!), mich 50 Minuten nur in die Klasse setzen, in der die Kackbratzen still und brav ihre Klausur schreiben, dann werde ich die Bögen einsammeln, mein kleines Kurztripptäschlein nehmen, das ich mir in St.Louis gekauft habe und gleich packen werde, schlendere gemütlich richtung Bushaltestelle und fahre zum Universitätsflughafen um von dort nach San Fransisco aufzubrechen! (Eigentlich fliege ich erstmal in einer 30 Leute Machine nach Chicago und steige dort um…). Dann bin ich drei Tage froh und kehre Sonntag abend noch übellauniger zurück! HA!
I’m outta here
Funfacts:
1. Abgesehen davon, dass alles schlecht ist, ist auch manches gut: Heute war wie jeden Mittwoch Latte (sprich: La-Täj) Tag im Uni Café. 2 $ für eine Große Hazelnut Latte.
2. Neben meinem Briefkasten ist ein großes Schließfach. Heute habe ich ein Paket bekommen als ich nicht hier war. Das wird dann dort eingeschlossen und der Schlüssel in meinen Briefkasten geworfen. Wenn man ihn benutzt geht das Fach auf und der Schlüssel wird blockiert, so dass er im Schloss bleibt. Dann entnimmt man das Paket und der Schlüssel bleibt einfach wo er ist. Sehr praktisch!
3. Eine meiner Studentinnen hat mich gestern informiert, dass sie bis nächste Woche dem Unterricht fern bleiben muss, weil das McKinley Health Center leider bestätigen musste, dass sie Schweinegrippe hat. Der Universitäre Emergency Dean wurde bereits informiert. Dabei kleben auf allen Türen im Foreign Language Building kleine durchgestrichene Schweine…
4. Mein englisch/deutsch Sprachniveau nähert sich langsam an. Leider wird das Englisch genau in dem Maße besser, in dem das Deutsch schlechter wird.
Roadtrip to St. Louis
09/07/2009
Samstag und Sonntag war ich mit Irene und Kathleen auf einem Roadtrip nach St. Louis. Es ist neben Chicago die andere größere Stadt in unserer Nähe und musste dementsprechend besucht werden. Also sind wir morgens um kurz nach neun los und waren dann gegen zwei dort. Die Länge des Trips erklärt sich allerdings nicht durch die Länge des Trips sondern durch ein nettes Restaurant in dem wir außer Burgern auch Chocolate Cake mit Vanilla Ice Cream, Hot Fudge und Whip Cream verspeisen mussten. Wir kamen also gut gestärkt an und nutzen diese Stärke produktiv zu Redekorierung unserer Gastgeberin Wohnung. Die Möbel sind nun umgestellt und teilweise auf dem Müll. Dankenswerterweise hatten wir hier aber nicht nur Tinewittlerspaß sondern auch unseren sehr wenig kostenintensiven Schlafplatz. Dann sogleich weiter in den städtischen Park, der unpärkischer Weise nicht nur von zahlreichen Straßen durchzogen ist, sondern auch von einem Highway. St. Louis ist sehr stolz auf diese Anlage und wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass sie größer ist als der Central Park. Dieses Konkurenzverhältnis wird jedoch meiner Vermutung nach relativ einseitig aufrecht erhalten. Jedoch hat der Park einen Zoo und ein Museum, die nach Parkpolitik beide kostenlos sind. Ersteren sahen wir niesel- und zeitbedingt leider nicht, deshalb möchte ich zu Rebekkas Freuden ein Ersatzfoto aus
dem Barcelonaer Zoo einfügen. Das Museum war sehr nett. Die Ausstellungen zu den letzten zwei Jahrhunderten waren zu signifikanten Teilen deutschen Künstlern gewidmet und besonders die AnselmKiefer Dinge gefielen mir sehr. Aber das ist alles nicht so aufregend, deshalb direkt weiter zum Loop, einer Essstraße in Park nähe, die wir entgegen der amerikanischen Beteuerungen, dass es unmöglich sei, ziemlich problemlos in niedrig zweistelligen Minutengrößen zu Fuß erreichen konnten. Diese Straße rühmt sich, nach einer ominösen Auswahlinstanz zu den zehn großartigsten Straßen Amerikas zu gehören. Auch hier vermute ich wieder eine Wahrnehmungsschieflage, obwohl es schon eine nette Straße war. Mit schickem historischem Kino, Essen, Kaffee und Lädchen die einen wünschen machen man hätte einen dauerhaft festen Wohnsitz und könnte lauter Dinge kaufen die man nicht in absehbaren Zeiträumen zurücklassen müsste. In einer Querstraße auf dem Weg noch diese amerikanische Absonderlichkeit: Eine Kirche und ein Fried Chicken Restaurant namens “Church’s Chicken” daneben. Auch St. Louis liegt auf dem Religiositätsbarometer irgendwo oberhalb von Hinter-Tupflingen. Nach unserem Abendmahl (woanders…) besuchten wir auf Anraten das City Museum, den aufregendsten Ort der Stadt. Die
Namensgebung ist dabei etwas irreführend, denn hier wird nichts ausgestellt oder beigebracht. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen riesigen mehrstöckigen Spielplatz mit lauter Rutschen, Klettergerüsten, Riesenrädern, alten Bussen und Flugzeugen und sonstigen Abenteuerlichkeiten, der sich bis auf das Dach dieses zwölfstöckigen Hauses erstreckt. Dort haben wir uns ausgetobt und viele Fotos von uns beim Austoben gemacht. Dann gegen zwei ins Bett und am nächsten Tag umherlaufen durch Downtown. Natürlich mit der obligatorischen Besichtigung des Stadtwahrzeichens, dem “Arch”, einem zweihundermeter hohen Bogen, der die historische Position St. Louis’ als das Tor zum Westen darstellt. Lagerfeld würde an dieser Stelle sagen, ja, aber eben nur das Tor. Tatsä
chlich ist die Stadt nur so mittel aufregend. Auch der zweite Tag ließ sich mit sightseeing und dem Besuch einer berüchtigten Chocolate Bar noch schön gestallten, aber dann gingen uns schon die Pläne für Montag aus und wir zogen es vor, noch Sonntagnacht zurück zu fahren. Mit kreativer Streckenplanung, weil unsere Navigatorin in einen Schlaf fiel und wir das Gefühl hatten, Chicago sei eine gute Richtung. Es war auch eine gute Richtung und rein meilenmäßig hat sich gegenüber der Hinfahrt nichts geändert, als dass es die ganze Strecke über andere Meilen waren. Dankenswerterweise sind ja alle Straßen irgendwie im Quadrat angeordnet und man kann immer genausogut die anderen beiden Schenkel nehmen.
Funfacts:
1.Starbucks Pumpkin Latte ist zurück!
Großmama, wir danken Dir!
09/02/2009
Ich muss grad kurz meine Freude kundtun. Schon ganz das Lehrertum internalisiert bin ich grad in einem quasi-euphorischen Zustand! Ich bereitete soeben die Stunde für morgen vor, deren Themen Possessivpronomen, die Konjugation des Verbes “kommen” und die Länder Europas sind. Dabei fiel mir auf, dass ich schon am achten Unterrichtstag problemlos einen mehrminütigen Monolog zum Thema Europa halten kann, den die Kinder verstehen werden. Ich spreche über die Mitglieds- und Einwohnerzahlen der Europäischen Union, geographische Lagen, über Kanzlerinnen und Präsidenten, über meine Herkunft Hamburg und meinen geliebten Wohnsitz Göttingen. Ich erkläre den Kindern, dass Frankreich unser bester Freund ist und das meine Großmama dereinst daher kam. Und wenn ich sie frage, ob sie Verwandte und Freunde aus Europa haben, dann werden sie mir im ganzen Satz und mit richtiger Verbflexion antworten: “Mein Großvater kommt aus Preußen!”
Seht die Erleuchtung die von mir auf diese Unmündigen fällt!
Darüberhinaus habe ich vorgestern den ersten Test schreiben lassen und ihn korrigiert. Die Schlechteste hat 7 1/2 von 10 Punkten… blöde Jessica kommt eh fast nie (ich sollte hier keine Namen nennen!). Drei Kinder haben 11 von 10, die werde ich morgen mit Namen ausrufen. Hier derweil noch meine Lieblingsantworten:
1. Auf die mit Bild versehene Frage “Was ist das?”: Bleistiefel.
2. Auf die Frage “Was sagt man?” unter der Kategorie “Begrüßen und Verabschieden” zum Bild einer gehenden Person der nachgewunken wird: Wiederholen Sie! (Ich pflege eine kreisende Handbewegung zu machen wenn ich die Kinder zum Wiederholen auffordere). Zu selbigem Bild auch schön: Auffeindurg!
Funfacts:
1. Ich kann jetzt die 24 Namen meiner Schäflein auswendig und sie auch den richtigen Personen zuordnen. Die immer nebeneinander sitzenden Chu-Chun, Ko-Hsin und Shuang sperrten sich am längsten gegen mein Gedächtnis. Aber um jeden Rassismus- oder Sexismusverdacht abzuwehren die Information, dass es mir mit James, Jo und John ähnlich ging.
2. Ich war joggen.
