Nimm ihn weg!
10/25/2009
Und wieder eine Woche später!
Zurück im nur halb echten Amerika verbrachte ich die Woche größtenteils mit Fleiß. Montag ließ ich meine Kinder Klausur Nummer drei schreiben, die ich leider noch nicht korrigiert habe … vielleicht gleich… aber morgen ist eh keine Zeit sie zu besprechen weil wir unsere erste Kurzgeschichte lesen was einige Zeit in Anspruch nehmen wird… dann hatte ich meinen Heidegger Kurs der nun in der zweiten Semesterhälfte ein Merleau-Ponty Kurs ist, dann war ich anstatt meine Sprechstunde abzuhalten in der sommrigen Herbstsonne einen Kaffee trinken um anschließend mit den Kollegen das Vorgehen für das neue Kapitel “Talente, Pläne, Pflichten” zu besprechen. Aufmerksame Germanisten und Sprachtalente werden sofort das geheime eigentliche Thema des Kapitels erraten: Modalverben! Dann ein Burger in Murphy’s Pub und anschließend Impro Comedy. Ein Zufall sah es vor, dass ich diese Veranstalltung nur eine Woche nach meinem mir gegenüber geäußerten Schwur besuchte, keine Impro Comedy Veranstalltungen zu besuchen, ein Schwur, den ich im Anschluss an seinen Bruch auch direkt erneuerte. So aufregend wie der Montag war dann erst der Freitag wieder: Großes Pizza Gelage und besuch im “Haunted House”. Die Pizza hatte als erfrischende Beilage einen auf flüssiger Butter basierten Knoblauchdipp, in den man seine Stücke tunken konnte: Die Ideale Grundlage um sich den Monstern zu stellen. Irene und ich fuhren also unsere luschigen Pizzakollegen zurücklassend gegen halb neun eine Stunde richtung nirgendwo um dort weniger luschige Spukkollegen zu treffen und eine Geisterbahn zu durchlaufen. Nach einer sehr enttäuschenden Geisterbahnfahrt auf dem letzten Hamburger Dom konnte es nur besser werden und war denn auch sehr lustig, wenn auch nicht wirklich gruselig. Am folgenden Wochenende musste ich dann extra fleißig sein, da ich morgen meine erste Hausarbeit abgeben muss (wenn auch nur im first draft, aber bereits in vollem Umfang). Also verbrachte ich samstäglich ein paar Stunden schreibend mit Irene und Donnie im Café und heut an meinem Schreibtisch und nun ist die Arbeit fertig. Eine ungewöhnliche Bezeichnung für eine Hausarbeit im Oktober! Aber mindestens drei kommen da ja noch bis Dezember, also morgen mit der nächsten weiter. Meine Exceltabelle zeigt mir an, dass mit 74 von 222 Tagen heute genau 1/3 meiner Unizeit hier vorbei ist. (Das ist exklusive Ferien! Insgesamt sind es 306 Tage.)
Funfacts:
1. Ich habe mit meinem dritten extra großen Beutel meinen hundersten Peanut-Butter-Cup gegessen. Das sind 10.000 Kallorien. Genützt hat es nichts.
2. Die Personalverwaltung der Universität hat meine Bankdaten von der Wohnheimsverwaltung übernommen um mir mein Gehalt zu überweisen. Unbegrenzter Datenschutz!
3. Der kryptische Titel des Postings ist ein Karlson vom Dach Zitat bezüglich eines Spuks. Stolze Jungfrau betritt den Thronsaal.
Real America
10/18/2009
Sarah Palin Kenner wissen von der Unterscheidung zwischen Real America und dem nicht eines Namens würdigen Rest (meist repräsentiert durch New York). Ich weiß nicht genau ob ich Champaign-Urbana dem wahren Amerika zuschlagen soll, aber der Ort an dem ich gestern war ist Real Americas Herzstück: Amish Country Illinois!
Als Wochenendausflug Nummer 2 brachen wir, das sind Irene, Giulia, Tina und ich, gestern mit dem Auto auf Richtung der Mitte Illinois um ein Kürbis-Fest zu besuchen. In unserem kleinen Zielort dessen Namen mir entfiel hat es neben dem Fest auch eine größere Gemeinschaft von Amish People, die auf ihre traditionelle Weise die Felder bestellen, während ihre dreihundert Jahre weiter entwickelten Kollegen das gleiche auf wenig traditionalle Weise mit Machinen tun, die die Kutschen der Amish um das 20-fache in Größe übertreffen. Was beide verbindet ist jedoch Beruf und Glaube und was ist amerikanischer als protestantische Farmer? Schon im 18. Jahrhundert zum politischen Ideal des Bürgers erhoben hält man diese Verbindung bis heute für inhärent gute Menschen. Es sei denn man gehört selbst nicht zum Real America, dann hält man sie für prekär.
Auf dem Pumpkin Patch sah man sie nun also zu Hauf und nebenher auch putziges Getier und Gekürbis. Nachdem wir uns hier die Zeit vertrieben spiesen wir noch deftigst nach Amish Art und sahen uns handgemachte Amish Möbel an um dann wieder Heimzufahren. Das ist alles sehr surreal aber nett. Nur das Wetter war etwas unfreundlich während es heute das beste Herbstwetter überhaupt ist. Meine Google Wetterberichte zeigen mir, dass ihr Daheimgebliebenen nur noch einstellige Temperaturen habt; uns ist für nächste Woche die Rückkehr der zwanzig angesagt und sie wird gern empfangen. Für Fotos konsultiert bitte Facebook; hier nur ein Kürbis unter Vielen.

Zombieland
10/16/2009
Soeben komme ich aus Zombieland, meinem dritten Kinofilm hier. Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob Zombieland oder Inglorious Basterds besser ist, aber beide sind auf jeden Fall großartig. Zombieland erzählt die Geschichte eines Amerikas, dessen Einwohner von einem Virus in Zombies verwandelt wurden und den letzten paar normalen Leuten, die vor ihnen weglaufen. Das ist nicht nur eklig und witzig sondern auch eine Allegorie: Der Film spielt in Amerika und Amerika ist dort das einzige was es gibt. Es gibt kein Außen und bei einem Globuszoom sind die USA der ganze zusammengerollte Planet (insofern ist der Trailer nicht besonders gut gemacht, weil er die Geschichte auf eine tatsächlich Globale ebene hebt, was im Film absolut nicht passiert). Amerika ist also nicht nur das Filmsetting , der Film ist eine Darstellung der Lange der Nation: Alle sind krank, der Laden ist an die Wand gefahren. Das deckt sich auch wunderbar mit meinem Eindruck von der Stimmung im Land. Die Medien sind zu tiefst gespalten, Links und Rechts redet nicht nur nicht miteinander sondern ignoriert sich vollständig solange sie sich nicht angreifen. Aber die Lager sind selbst auch kaputt. Der liberale Teil der Bevölkerung ist unzufrieden mit Obama, der einer stoischen Merkel gleich einfach gar nichts tut und die Republikaner haben als ihre wichtigste Führungsperson einen Fox Talkshowhost . Beide Seiten gehen wochenendlich zu zehntausenden demonstrieren, wobei die linken und rechten Medien die Gegenseite in der Berichterstattung einfach weglassen (am letzten Montag haben 75.000 Menschen in Washington für Schwulenrechte demonstriert. Der dem republikanischen Lager zugehörige Sender Fox News hat von seinem 24 stündigen Nachrichtenprogramm etwas über 3 Minuten Zeit gehabt, davon zu berichten. Da sieht man die Spaltung der Lager untereinander; die Spaltung im Inneren des Lagers sieht man daran, dass diese Menschen ihren Unmut mit der Obamaadministration Kund taten obwohl sie zum gleichen politischen Lager gehören.) Die Lager sind im Film von jeweils einer Figur besetzt und um in dem kaputten Zombieland überhaupt noch zurecht zu kommen müssen sie zusammen arbeiten. Ein Konzept das hier bipartisanship heißt und auf politischer Ebene kaum vorkommt. Aber diese Lösung im Film ist nur eine persönliche Lösung; sie hilft den Charakteren mit dem Untergang umzugehen, nicht ihn zu ändern. So ist die allegorische Aussage des Ganzen nicht, dass nur Zusammenarbeit das Land noch retten kann, sondern dass nur Zusammenarbeit den schon laufenden Untergang erträglich macht.
Diverses
10/08/2009
Lange habe ich mich nicht an euch gewendet, einige von euch sich jedoch an mich. Ich rufe hiermit dazu auf, ihrem Beispiele zu folgen und mir Briefe und Postkarten zu schicken, gern auch Fotos. Meine Wohnung ist ein kahler Elendsbau und ich gedenke, sie mit euren zahllosen Zusendungen zu dekorieren. Auf diesem Wege ist denn auch beste Gelegenheit mir eure Adressen mitzuteilen, haben mir doch vor Abreise viele den Wunsch nach postalen Grüßen mitgegeben. Die Anschrift: 2040c Orchard Street, Urbana Illinois 61801, USA.
Die Fulbright Komission teilt mir derweil leider mit, dass sich das Endauswahlgespräch aus Gleichbehandlungsgründen nicht nach Chicago verlegen lässt. Es stehe mir jedoch frei, mich nächstes Jahr wieder zu bewerben. Vielen Dank! Naja, wenn ichs haben wollte könnte ich ja nach Berlin fliegen; es scheint mir also nicht so wichtig zu sein. Ich krächte gar eine Woche frei, doch ich nehme meine Pädagogenpflichten sehr ernst! Heute investierte ich eine Stunde um das Arbeitsblatt “Spaß mit Akkusativ” zu entwerfen, und den Kindern hier nicht nur basale Satzstrukturen beizubringen, sondern sie auch über ihre eigene Sprache aufzuklären. So sollten sie dann in der Lage sein, an der richtigen Stelle me und I zu verwenden.
Dieser Beitrag ist seit Tagen im Entstehen und dieser Absatz zwei solche später. Wir sind literatur Nobelpreis! Ich kann das leider nicht kommentiere, da ich keinen einzigen Müllertext gelesen habe. Was ich kommentieren möchte ist das Literarische Zentrum Göttingen. Hier ist Herta Müller am 21.01.10 zu Gast. Eine glückliche Planung ist das. Verbreitet die Kunde! Verbreitet sie! Ich bin seit meinem Aufenthalt an diesem Ort zunehmend verwundert von der Größe des kulturellen Angebotes in Göttingen. Zwar gibt es mit dem Kranert Zentrum in Urbana ein breites Angebot an Verschiedenem, so dass man hier anders als in Göttingen auch die Möglichkeit hat mal eine Oper zu sehen, aber rein quantitativ sind die Veranstalltungen sehr begrenzt. Ein majores Veranstalltungszentrum steht hier Göttingens allein drei Theatern gegenüber. Das Kranter Zentrum mit seinem starken Fokus auf Musik zeigt in dieser Saison ein Theaterstück und keine Lesung. So findet sich hier also gar kein Gegenstück zum Literarischen Zentrum. Und wenn ich hier denn LangLang sehen könnte, so wäre mir Pynchon doch lieber. Aber den sieht man ja eh nicht.
Heute Nachmittag hole ich Hannes vom Flughafen zu seinem Gegenbesuch ab.
Man beschwert sich über die Abwesenheit von Funfacts. Heute gibt es also einen, zunächst aber ein Ärgerniss: Ich habe eine Einladung für die Endauswahl des Fulbright Stipendiums 2010/11 am 20.10 in Berlin erhalten. Was soll denn der Mist?
Funfacts:
1. Donnerstag war ich beim Social Security Office. Dort bekommen Arbeitslose gute Tipps von freundlichen Schildern an der Wand. Mein Favorit: Increase your income by working!