Arbeitskampf!

11/11/2009

Dramatische Entwicklungen hüben! Schon vor Antritt meines Aufenthaltes wusste ich, dass mit dem August diesen Jahres, also vor meiner ersten Gehaltsauszahlung der Tarifvertrag der Teaching Assistants ausläuft. Seit April ist deshalb die Gewerkschaft G.E.O (Graduate Employee Organisation) dabei, einen neuen Vertrag mit der Universität auszuhandeln. Die Uni hat zu Beginn des Jahres einen Bericht zu den Lebenskosten von Studierenden in dieser Stadt veröffentlicht. Laut dieses Berichtes kostet es 16000$ Unterhalt, hier zwei Semester zu verbringen, wir verdienen jedoch lediglich 13000$. Angesichts dieser Differenz war es seit Beginn der Verhandlungen die G.E.O. Position, dass das Gehalt entsprechend angehoben werden muss. Die Universität war dieser Meinung nicht und ignorierte die Gewerkschaft komplett. Deshalb arbeiten wir nun weiterhin zu dem alten, abgelaufenen Vertrag. Nachdem die Verhandlungen sieben Monate lang nicht vorankamen, haben die Gewerkschaftsmitglieder (unter anderem ich!) am letzten Wochenende bezüglich eines Streikes abgestimmt und zu 92% dafür gekreuzt. Sollte die Universität nun nicht bis nächsten Montag ein akzeptables Angebot machen, wird die Arbeit darnieder liegen. Während diese Auseinandersetzung eigentlich eine zwischen allen Graduate Employees und der Universität ist hat es sich jedoch leider auch zu einem Konflikt in meinem Department entwickelt. Alle siebzehn TAs im German Department haben gemeinsam beschlossen, sich an dem Streik zu beteiligen, so wie auch alle anderen TAs im ganzen Foreign Language Building, also auch die Spanisch, Französisch, Italienisch, Arabisch usw. TAs. Leider sind wir jedoch das einzige Department, dessen Fakultätsleitering Professor Wade den Streik nicht unterstützt sondern sabotiert. So plant sie, die Kurse von anderen Fakultätsmitgliedern unterrichten zu lassen und die Namen der Streikenden weiter zu leiten. Durch diese sehr dämliche und ungeschickte Aktion hat sie sich nun also ein Problem geschaffen, dass vorher nicht existierte, nämlich eine departmentinterne Moralkrise und Spaltung der Belegschaft. Tatäschlich hätte die ganze Angelegenheit so gut wie gar keine Auswirkungen auf unser Department gehabt, da wir mit den Inhalten für dieses Semester in dieser Woche fertig werden und unsere Studierenden deshalb nur noch Wiederholung und Multimediatage verpasst hätten.  Allein, Professor Wade hat ein extremes Geltungsbedürftnis und lässt ihre Authorität nicht in Frage stellen. Sobald ihr etwas nicht passt spielt sie daher alle Machtkarten aus, die sie hat. Die anderen Fakultätsmitglieder, die dafür eingespannt werden unsere Kurse zu unterrichten, haben deshalb kaum die Möglichkeit sich auf unsere Seite zu stellen und sich zu weigern. Zwar sind sie in keiner Weise vertraglich dazu verpflichtet und sicherlich ist es ihnen sogar moralisch geboten sich zu weigern, aber Professor Wade kann und wird jeden absägen, der ihr im Wege steht. Schon einmal hat sie über eine ähnliche Situation 50% der Belegschaft an andere Unis verloren. Es ist nun also zu hoffen, dass der Streik von höherer Stelle beendet wird, bevor sie eine Linie der Unverschämtheit überschreitet, die eine Rückkehr zum Departmentalltag unmöglich macht. Übrigens verdient sie allein mehr, als alle siebzehn TAs des Departments zusammen.

Und überhaupt

11/03/2009

Gestern haben wir eine nette Sache in DAF gemacht. Der wissenschaftliche Wert ist zwar dem Fach entsprechend, aber es ist trotzdem ein Spaß: Die sechs Stadien der Kulturellen Akzeptanz. Diese durchläuft man, wenn man mit einer neuen Kultur konfrontiert wird, also beispielsweise wenn man im Ausland studiert. Es beginnt mit den drei ethnozentristischen Stufen: Die neue Kultur wird vor dem Hintergrund der eigenen beurteilt. Die erste Stufe ist denial. Die neue Kultur wird vermieden indem man sich von ihr abschottet. Die zweite Stufe heißt defense/reversal. Die neue Kultur wird im Lichte der eigenen bewertet. Im defense Modus wird sie negativ evaluiert und die eigene als überlegen eingestuft. Im reversal Modus wird die neue Kultur als die überlegene betrachtet. Dann geht es weiter zur minimization. Die Unterschiede werden verneint, tatsächlich sei man sich ja ganz ähnlich. Nun kommen die drei Ethnorelativen Stufen, die nicht mehr im Lichte der eigenen Herkunft stehen. Zunächst acceptance; die neue Kultur wird als normal angenommen und nicht mehr mit der eigenen verglichen. Dann adaption; man lernt die neue Kultur anzunehmen und kann sein Verhalten beiden Kulturen anpassen. Und finaler Weise integration; die neue Kultur wird internalisiert.

Jetzt dürfen alle raten, wo ich grade bin. Dämliche Amerikaner.

Funfacts:

1. Ich wurde evaluiert und für schwer genug befunden. Professor Crane observierte mich beim Unterrichten. Ihre Kritik: Ich muss die Studenten mehr sprechen lassen. Ihr Lob: Der Aufbau der Stunde ist aus pädagogischer Sicht nicht zu verbessern. Auch schaffe ich eine warme Klassenatmosphäre in der besonders auffällt, welch großen Respekt die Schüler mir entgegen bringen. Yay me.

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