Sturmhöhe

01/31/2010

Schon zweimal habe ich nun meine Seminare gegeben. Wie bekannt handelt es sich dabei um zweimal das gleiche Seminar, und natürlich habe ich also nur einen Lehrplan, mit dem ich erst die Sitzung um 9 halte und dann um 11 das ganze nochmal mache. Komisch ist die unterschiedliche Dynamik der Gruppen. Die Kinder in der 9-Uhr-Sitzung sind viel besser als die Späteren. Klüger, netter, witziger und aktiver. Dort funktionieren die Stunden ,die ich vorbereitet habe immer super; bei der 11-Uhr-Gruppe muss ich den Gören alles aus der Nase leiern. Mal sehen wie sich das entwickelt: Ich befürchte, da ich nun schon mit dieser Einstellung in den Unterricht komme, dass ich das noch weiter verstärken werde.

Ansonsten nicht viel passiert. Ich habe diverse Veranstalltungen in dem Bestreben besucht, mir einen Stundenplan zu basteln. Habe mich dabei über die Kognitionswissenschaftler aufgeregt, die einen Begriff von Zielgerichtetheit hatten, der keiner Intention bedarf, und also das entsprechende Seminar sofort hingeschmissen. Dann hätte ich das nächste Seminar – Migration Literature – wegen postmodernem Gewäsch fast auch abgebrochen, mich dann aber zusammen gerissen. Und auch bei den U.S. Women Modernists wurde ganz viel Kulturel Gewendet. Textimanenz ist so europäisch! Dafür ist Kripke eine analytische Freude. Apropos analytisch! Da gebe ich meinen Kindern die hausaufgäblichen Essayfragen für nächste Woche als mich eine für die Jahreszeit verdächtig braune, fetthaarige Studentin fragt, ob die texte mehr analytisch oder mehr meinungsbasiert sein sollten. Großherzig habe ich den Kategorienfehler übersehen und um analytisches gebeten; bekommen habe ich das nicht… Noch habe ich die 40 Seiten (!) die ich nun jede Woche korrigieren muss für diese Woche nur überflogen, aber dabei schon bemerkenswerten Unfug gelesen. Durch die Bank ungewöhnlich ist der studentische Gebrauch von Gänsefüßchen. Letztes Semester habe ich mich noch gefragt, warum mein Metaphysics Professor eine halbe Stunde darauf verwendete zu erklären, wann man sie gebraucht und wann nicht, doch nun sehe ich es selbst. Hier mein Lieblingsbeispiel: “In the stories where “sex” was depicted, bad things happend to people that were not necessarily “evil”.”  Auch auf der inhaltlichen Ebene gibt es hier einige Rätsel zu lösen. Aber “sex” sollte auf jeden Fall immer in Anführungszeichen stehen!

Und hier ist noch meine neuste Komparatistik Magisterarbeit. Ich lese Emily Brontremas “Wuthering Heights”, dann gucke ich Robert Fuests Filmadaption von “Wuthering Heights” “Wuthering Heights”, und schließelich höre ich Kate Bushs auf Robert Fuests Filmadaption von “Wuthering Heights” “Wuthering Heights” basierendes Lied “Wuthering Heights”. Dann erkläre ich diese verzwickte Intertextlage auf 50 Seiten Herrn Detering und lege hinten eine CD mit dem Lied, und weil noch so viel Platz drauf war auch ein paar Bob Dylan Songs rein, und dann hab ich auch eigentlich schon ‘ne eins. Notfalls noch eine Karte auf der Emilys, Kates und Roberts Aufenthaltsorte markiert sind.

Eine Antwort zu „Sturmhöhe“

  1. Ansefrau Sagt:

    Brilliant! Was mir noch fehlen würde, ist ein bisschen mehr “Sex” – vielleicht mit/durch/von Elvis – oder auch “schwul” oder Lübeck. Aber letzteres kann man ja mit extrem fuzzy-en shapes auf der map markieren.

    “Küsschen”

    Anna


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